Die Entwicklung der Traditionsgemeinschaft "Alte Adler" seit 1927

Elly Beinhorn

Deutschland im Jahr 1927. Die sogenannten "Goldenen Jahre" waren für die Masse des deutschen Volkes gar nicht so golden. Der Erste Weltkrieg hatte tiefe Spuren hinterlassen, die Inflation wirkte nach, der Versailler Vertrag knebelte die Wirtschaft. Am 16. September dieses Jahres trafen sich in Berlin 64 ehemalige Piloten zu einem Stammtisch, manche von ihnen ungeachtet ihrer großen Verdienste in bitterer Armut lebend. Man beschloss, sich regelmäßig zu treffen, sich gegenseitig zu helfen, entsprechende Pressearbeit zu leisten, und man einigte sich auf den Namen "Alte Adler".

Wolf Hirth

 Bedingung für die Mitgliedschaft waren zunächst der Erwerb des Flugzeugführerpatents vor dem Ersten Weltkrieg (1. August 1914) oder ein gleichwertiges militärisches Patent, aber auch besondere Verdienste in der oder für die Luftfahrt. Weitere gemeinsame Treffen fanden 1930 und 1935 in Berlin, 1936 in München, 1937 in Braunschweig und als letztes Treffen vor dem Krieg 1939 in Frankfurt statt. Obgleich das Treffen unter den alten Fliegern ein erstaunlich gutes Echo hatte, fand sich in den Anfangsjahren z.B. in der sehr angesehenen Zeitschrift "Flugsport" keine einzige Mitteilung über deren Tätigkeiten. Erst über den zehnten Jahrestag der "Alten Adler" am 12. und 13. Juni 1937 in Braunschweig, zu dem sich 230 Teilnehmer eingefunden hatten, wurde ausführlicher im "Flugsport" berichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gebührt Ernst Canter und Alfred Friedrich das Verdienst, die Gemeinschaft der "Alten Adler" wieder ins Leben gerufen zu haben. 1951 versammelten sich 70 Flieger in Braunschweig zu einem Treffen, in der Hoffnung, dass Deutschland die Lufthoheit zurückerhalten möge.

Über das Treffen in Braunschweig berichtete Walter Zuerl ausführlich in der Zeitschrift "der Flieger". Danach fanden die Zusammenkünfte regelmäßig statt. Beim Oktobertreffen 1952 in Stuttgart verkündete Wolf Hirth, Präsident des Deutschen Aero Club e.V., die "Alten Adler" seien fortan korporatives Ehrenmitglied im DAeC, der die Verwaltungsarbeiten übernehmen würde.

Gerhard Fieseler

Um ihre selbstgestellte Aufgabe zu erfüllen und in Not lebenden Kameraden helfen zu können, ergab sich recht bald die Notwendigkeit einer eigenen Rechtsform für die "Alten Adler". Am 6. Mai 1961 wurde die entsprechende Satzung beschlossen. 1986 wurde der neue Name "Traditionsgemeinschaft Alte Adler" in das Vereinsregister des Amtsgerichts Darmstadt eingetragen und der Verein als "gemeinnützig" anerkannt.
1997 verstarb mit dem Major a.D. Heinrich Kratz der letzte "echte" Alte Adler der Gründerzeit. Seitdem besteht die Gemeinschaft aus den sogenannten "Traditionswahrern", für deren Mitgliedschaft sich die Alten Adler der ersten Stunde schon in den fünfziger Jahren geöffnet hatten.

Hanna Reitsch


Mitglieder der "Alten Adler" sind und waren Frauen und Männer aller Bereiche der Luft- und Raumfahrt von Elly Beinhorn bis Ludwig Bölkow, von Liesel Bach bis Adolf Galland, von Helma Sjuts bis Ulf Merbold, von Hanna Reitsch bis Hans Werner Grosse.

Hans-Werner Grosse

Von den "Alten Adlern" zur "Traditionsgemeinschaft Alte Adler"

Den Gründern der "Alten Adler " wurde bald bewusst, dass die Vereinigung nur eine Zukunft hat, die traditionelle Kameradschaft gepflegt und der große Schatz an Erinnerung weitergetragen werden könnte, wenn die Aufnahmebedingungen (Flugzeugführerpatent vor dem 1.8.1914) für Mitglieder späterer Generationen geändert würden.

Ulf Merbold

 Nach dem Zweiten Weltkrieg galt als "Alter Adler" zunächst nur, wer der historischen Epoche der Fliegerei in Deutschland bis Ende 1918 zuzuordnen war. Mitglieder aus späteren Zeiten sollten als Traditionswahrer" geführt werden.

1979 beschloss die Hauptversammlung, ausschließlich die Bezeichnung "Traditionsgemeinschaft Alte Adler" zu verwenden, unter der die Gemeinschaft 1986 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Darmstadt eingetragen wurde und als gemeinnützig anerkannt ist.

Die Kriterien für die Aufnahme zukünftiger Mitglieder wurden neu definiert. Ein Aufnahmeausschuss, zunächst von Edgar Dittmar, anschließend von Hans Schütz, dann von Karl Kössler, danach von Fred Thomas und jetzt von Peter Selinger geleitet, prüft die Voraussetzungen der Kandidaten für die Mitgliedschaft und beurteilt deren Verdienste auf dem Gebiet der Luftfahrt. Der Ausschuss fühlt sich den Pionieren der ersten Stunde verpflichtet, die Traditionsgemeinschaft "Alte Adler" e.V. als Gemeinschaft in diesem Bewusstsein weiter zu führen.


 

Rund 150 Mitglieder zählt die Traditionsgemeinschaft heute. Jährlich werden etwa zehn neue Mitglieder aufgenommen. In zunehmendem Maße wird es schwieriger, die hochgesteckten Aufnahmekriterien zu erfüllen, da in einer Zeit der Teamarbeit herausragende Leistungen Einzelner immer seltener werden. Neu hinzugewählte Mitglieder haben deshalb vor allem Verdienste im Breiten- und Leistungssport, in der Forschung und Wissenschaft, im Luftverkehr und in der Luftfahrtindustrie aufzuweisen. Darüber hinaus werden besondere Leistungen beim Aufbau der Luftfahrt in allen Bereichen nach Wiedererlangung der Lufthoheit im Jahre 1955 und nach der Wiedervereinigung 1990 gewürdigt.

Im Jahre 2012 feierten die Alten Adler das  85jährige Bestehen der Gemeinschaft.