Preisverleihung Deutscher Segelfliegertag 2010 in Ulm

Max Bishop

Der Deutsche Segelfliegertag am 29. und 30.
Oktober 2010 in Ulm erwies sich grundsätzlich wieder
als gelungene Veranstaltung. Die Jahresversammlung der
Bundeskommission Segelflug im Stadthaus war gut besucht.
Das zurückliegende Jahr konnte vor allem wegen
der großartigen internationalen sportlichen Erfolge gelobt
werden. Beim anschließenden gemeinsamen Abendessen
saßen weit mehr als 100 Segelflieger gemütlich zusammen
und der Festakt wie auch die „Kleinmesse“ am Samstag -
vor vielen Jahren von Klaus Harnach eingeführt – fanden
regen Zuspruch. Weit mehr als 2.200 Menschen drängten
sich zwischen den interessant gestalteten Ständen der 63
Aussteller, unter den knapp 2.000 zahlenden Besuchern
waren Jung und Alt erfreulich gemischt.

Hans-Schütz-Gedächtnis-Preis

Und trotzdem, dem aufmerksamen Beobachter blieb
nicht verborgen, dass die Deutsche Segelflugführung nicht ohne Sorgen in die Zukunft schaut. Der optimistische Schwung der Mitgliederversammlung von Bremen
im Jahr 2009 hatte einem vorsichtigen Tasten, um nicht zu sagen einer gewissen Ratlosigkeit Platz gemacht. Aber wen wundert das. Was da mit der neuen Struktur des DAeC auf die Bundeskommissionen des Luftsportes
zukommt, ist wirklich nicht von Pappe, zumal die Kooperationsbereitschaft der Hängegleiter und des Deutschen Modellflieger-Verbandes mit ihren gewaltigen Mitgliederbeständen noch nicht gesichert scheint.

Fred Weinholtz

Und Fragen wie „wer kümmert sich um die Luftsportjugend?“ und „wie sieht es mit den Finanzmitteln aus?“ sind beileibe noch nicht restlos geklärt. Da kann man der außerordentlich fähigen Meike Müller und ihrer durchaus als gutwillig einzustufenden Kommissionsführung nur viel Glück und Erfolg wünschen. Die Delegierten in Ulm standen jedenfalls voll und ganz hinter ihnen.
Ein wirklicher Lichtblick der Veranstaltung war der
langjährige Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner, der beide Tage mit humorvollen Worten einleitete. Er stellte sogar zwischen Segelfliegern und seinen Ulmer Landsleuten die Gemeinsamkeit fest, dass beide weit in die Zukunft schauen möchten und deshalb hoch hinaus strebten, die Ulmer mit ihrem Münster und die Segelflieger mir ihren Fluggeräten.

Nach den Grußworten des Oberbürgermeisters von Ulm und des DAeC-Präsidenten Klaus Koplin eröffnete am Samstag die Vorsitzende der Bundeskommission Segelflug – Dr. Meike Müller – die Festveranstaltung. Sie fand in ihrer kurzen und doch deutlichen Darstellung der schwierigen Situation des deutschen Segelflugs klare Worte und stimmte die Zuhörer auf eine harte aber nicht Traditionsgemeinschaft „Alte Adler e.V.“ Seite - 12 - Rundbrief 4-2010 hoffnungslose Zukunft ein. Und sie gab die Ehrung des nicht anwesenden Alten Adlers Rudi Schuegraf mit der Silbernen Ehrennadel des DAeC für „außerordentliche Verdienste“ bekannt.


Ausführlich würdigte die Vorsitzende die großartige Arbeit des Anfang des Jahres 2010 aus Altersgründen zurückgetretenen FAI-Generalsekretärs Max Bishop, die dieser in gut eineinhalb Jahrzehnten geleistet hatte und die ganz besonders dem Segelflug zugute kam. Der Geehrte umriss in ausgezeichnetem Deutsch in knappen Worten die einhundertjährige Geschichte des Weltsegelflugs, der vom Mutterland Deutschland ausgegangen war und griff, wie er ausdrücklich betonte „provozierend“, einige Themen auf. Er hinterfragte die Einzigartigkeit des Segelflugs als Sport, seine Anpassungsfähigkeit an die gesellschaftlichen Trends des 21. Jahrhunderts, beleuchtete das Problem der Gegenleistung für Sponsoren, sprach die angebliche
„Familienunfreundlichkeit“ und den Mangel an Medienresonanz und viele andere Bereiche an, die heute den Segelfliegern und dem Segelflug das Leben schwer machen. Er wurde mit reichem Beifall belohnt.


Als Festvortrag war die Darbietung des „Red Bull Air Race-“Piloten Matthias Dolderer ausgewählt worden, der ganz sicher bewundernswerte sportliche Leistungen vollbracht hat, doch der ohrenbetäubende Motorlärm beim Tiefflugrennen zwischen Pylonen hindurch schien vielen für einen „Segelfliegertag“ doch nicht recht angemessen.
Dann kamen die Ehrungen für sportliche – und im Fall der Luftsportjugend - organisatorische Leistungen, die Fred Gai wieder in seiner bekannt gekonnten Manier vornahm. Unser Präsident Wolfgang Weinreich und unsere Schatzmeisterin Ingrid Blecher hatten sich mit fünf Schecks über je 1.000 Euro bewaffnet, um die Förderpreise der „Alten Adler“ zu vergeben. Fred Weinholtz stellte unsere Traditionsgemeinschaft und ihre Aufgaben, speziell aber den 1995 verstorbenen Hans Schütz vor. Er bedauerte dabei, dass er die vor den Ehrungen einsetzende „Saalflucht“ kritisieren müsste, wobei er sich auf die Worte des früheren DSB-Präsidenten Willy Weyer berief, der ihm einmal gesagt hatte: „Sportler, die nicht bereit sind, sich der Öffentlichkeit gegenüber zu ihrem Sport und dessen Leistungen zu bekennen, dürfen nicht erwarten, von der Öffentlichkeit anerkannt zu werden“!
Stolz konnte er mitteilen, dass in den 17 Jahren, die der „Hans-Schütz-Preis“ nun schon existiert, durch ihn mehr als 100.000 Euro in die Nachwuchsförderung des DAeC geflossen seien. Reicher Beifall war der Dank der Segelflieger für die „Alten Adler“.


Gisela Goblirsch-Bürkert, Referentin für Wirtschaftsfragen und Matthias Baur, Stellvertretender Bundesjugendleiter der Luftsportjugend nehmen erfreut den Scheck über 1.000 Euro aus der Hand unseres Präsidenten entgegen. Das Geld wird projektgebunden für die Nachwuchsgewinnung eingesetzt Hans-Schütz-Gedächtnis-Preis und Streckenflug-Förderpreis-Preis für Nachwuchs-Segelfliegerinnen,
Von l.: Michael Schoof, Nicolas Seidl und Heiko Braden, Juniorenmannschaft des Aero-Club Braunschweig mit 3291 Punkten; Steffen Göttler, 1. Platz Clubklasse in der Juniorenkonkurrenz mit 3139 Punkten, LSV Münsingen/Eisberg; Johann Fischer vom AVS Augsburg übernahm den Preis stellvertretend für Janika Scheglmann, die wegen ihres Studiums im Ausland nicht in Ulm sein konnte. Sie hatte am 19.6.2010 mit dem Discus 2 ihres Vereins einen Flug von 610,93 km durchgeführt. Der Vierte im Bunde – Benjamin Bachmaier vom SFZ Königsdorf hatte in der Juniorenkonkurrenz der Standardklasse 3038 Punkte erzielt - konnte nicht anwesend sein. Rechts daneben Ingrid Blecher, die vor elf Jahren den Nachwuchspreis für Segelfliegerinnen ins Leben gerufen hatte, und ganz rechts außen die Buko-Vorsitzende Dr. Meike Müller.

Bleibt noch zu berichten, dass unser Mitglied Diether Memmert für drei – über den Südamerikanischen Anden geflogene - Weltrekorde den „Silbernen Ehrenteller“ erhielt.
Sein mitreißender Lichtbildvortag aus Gersfeld wird vielen noch in Erinnerung sein.
Und die „Alte Adler“ Ingrid Blecher und Gerd Ottensmann als Beauftragte für den Frauensport bzw. für Segelkunstflug können in den von ihnen betreuten Bereichen auf hervorragende Erfolge zurückblicken.


Bericht: Fred Weinholtz
Fotos: Peter F. Selinger

Förderpreis an die DAeC-Luftsportjugend:


Gefördert wird das Nachwuchsprojekt der Luftsportjugend, der Bau von einfachen Wurfgleitern und Veranstaltungen, bei denen diese Modelle eingesetzt werden. Die Modelle werden von der Firma Graupner als Baukästen kostenlos zur Verfügung gestellt, den Klebstoff gibt die Firma UHU dazu (der Wert eines Modellbaukastens wird auf 4-6 € geschätzt). Schüler und Jugendliche sind eingeladen, sich an Modellflugsportler oder an einen Verein in ihrer Nähe zu wenden, die dann die Aktion für die Jugendlichen organisieren.


Im Jahr 2009 sind 30 solche Veranstaltungen durchgeführt worden, bei denen mit mehr als 1.500 Kindern Modellflugzeuge gebaut wurden. Besondere Ereignisse für Gewinner von Verlosungen dabei sind zentrale Modellflug-Wochenenden im Haus der Luftsportjugend in Laucha.
Informationen zum Projekt findet man auf der Website http://nachwuchs.luftsportjugend.com.
In den vergangenen Jahren wurden etwa 6-8.000 € pro Jahr für die Förderungen ausgegeben.

 

Hans-L. Meyer